Wie es sein sollte. Ein wunderschöner Morgen erwartet uns heute.
Keine Wolke am Himmel und die Sonne tat ihr Bestes.
Kurz vor neun Uhr schaffte ich es endlich die Seite vom 26. zu
übertragen. So gegen zehn Uhr verliessen wir die Insel Premuda
und fuhren eine halbe Stunde südwärts. Bei leichtem Seegang
machten wir an der Westseite von Premuda fest. Nun trennten
uns nur noch ein paar Meilen Wasser von Italien.
Holger und ich tauchten gleich als erste ab. Wir waren direkt bis
über den Höhleneingang, besser gesagt bis über eine kleine
Spalte,
im Boden geschwommen. Dann tauchten wir ab.
Langsam und kontrolliert liessen wir uns fallen.
Holger ging voraus und ich folgte ihm auf die Flosse.
Beim Hinabgleiten drehte ich mich noch einmal um 360 Grad,
um mir die Gegend ein bisschen anzuschauen.
Dann erreichte ich die Spalte und liess mich langsam hinein gleiten.
Wie die Faust aufs Auge paßte ich hindurch.
Jetzt begann ich mich auszutarieren so dass ich etwa
30 cm vor dem Grund schweben blieb. Wir schauten uns
um und bemerkten auch gleich den Tunnel zur Kathedrale.
Am anderen Ende sah man das einfallende Licht schimmern.
Holger schaltete seine Lampe ein und während wir uns von
der leichten, nach außen gerichteten, Strömung treiben liessen
bewunderten wir diese faszinierende Tierwelt.
Die Tiere die uns da begegneten, kann ich hier gar nicht
ausreichend beschreiben. Das liegt vermutlich auch daran,
dass ich überhaupt keine Ahnung habe was uns da unten
so alles begegnete. :) Aber es war sehr beeindruckend.
Nach dem Tunnel erreichten wir einen größeren Raum.
Von oben und auch von der Seite drangen helle Lichtstrahlen ein.
Ein bezauberndes helles Blau begrüßte uns von rechts.
Dort tat sich eine Öffnung wie ein grosser Torbogen auf.
Viele Fische waren dort in dieser schützenden Öffnung
versammelt. Die Strömung brachte uns dem Blau immer
näher bis die Fische die Flucht ergriffen. Nur eine
Sedimentwolke blieb übrig. Diese jedoch brach das
einfallende Licht und es schien als würden wir durch
eine Nebelbank hindurch, in die Freiheit schweben.
Draussen angekommen hielten wir uns rechts.
An der Steilwand ging es dann langsam wieder nach
oben bis wir das Plateau erreichten. Hier bewunderten
wir die vielen Risse und Furchen im Boden. Plötzlich
klopfte mir Holger auf die Schulter, er gab mir zu verstehen,
dass ich nach vorn, an die Oberfläche schauen sollte.
Dort spiegelte sich etwas, es sah aus als wäre es das
Bugnetz. Doch das Schiff war nicht zu sehen, auch nicht
das Ankerseil. Wir tauchten weiter in diese Richtung
und tatsächlich, da war es, das Schiff. Das Licht hatte
sich so im Wasser gebrochen, so dass das Netz lange
vor dem Schiff zu sehen war. Wir tauchten langsam unter
dem Schiff auf. Es war wieder einmal ein wunderschöner
Tauchgang gewesen. Es stimmt mich zutiefst traurig,
dass ich euch keine Bilder von dort mitbringen kann.
An Bord angekommen liessen wir uns auf dem
Sonnendeck trocknen. Nur das Mittagessen unterbrach
diese Sonnenanbetung. Und, wenn sie nicht gestorben
sind dann sonnen sie sich noch heute.
Nun neigt sich der Tag schon wieder dem Ende
entgegen. Auch der zweite Tauchgang war eine
Pracht. Berichten möchte ich nicht darüber, es
soll mein kleines Geheimnis bleiben. Wieder an
Bord angekommen schmorten wir in der Abendsonne
bis wir den Hafen "Ist" erreichten. Dieser Ort ist
zwar etwas größer als Premuda aber immer noch
schön klein. Die anderen gingen gleich nach dem
Anlegen in den Ort und suchten die wahrscheinlich
einzige Kneipe auf. Da ich mir erst eine Kanne
Earl Grey bestellt hatte blieb ich an Bord und wollte
schreiben. Tobias leistete mir aber Gesellschaft und
wir unterhielten uns sehr gut. Es kommt mir vor als
wären wir auf der gleichen Wellenlänge. Er ist auch
jemand der sein Leben in vollen Zügen zu genießen
versucht. Als der Earl Grey zur Neige ging machten
wir uns auch auf den Weg in die kleine Ortschaft.
Nach kurzer Zeit erreichten wir eine kleine Kneipe.
Sehr schön rustikal eingerichtet. Etwas verwundert
schaute ich in die Runde, nur die Hälfte der Leute
hatte etwas zu trinken. Jeder Zweite hatte eine Tasse;
Cappucino hatten sie bestellt, alle.
Der arme Kellner, höchstwahrscheinlich der Besitzer,
hatte nicht genug Tassen. Neun Leute konnten
gleichzeitig etwas trinken.
So machten wir das Ganze auf zwei Etappen. :)
Nach dem Abendessen saßen wir im Salon zusammen
und feierten in die Nacht hinein.
Zwei "Tauchcomputervergessovatze" und noch
diverse Andere gingen über den Tisch.
So wurde es doch sehr lustig. Bald habe ich meinen
33 Tauchgang und dann darf ich auch Einen ausgeben.
Fast hätte ich etwas vergessen. Auf dem Rückweg
machten Rainer, seine Christiane und ich einen
Abstecher zu dem kleinen "Onkel Fritz Laden".
Emma ist hier gänzlich unbekannt! :)
Ausser zwei Flaschen Wein kauften wir auch die
neueste, bei uns noch unbekannte, SEX Droge.
"Poper"; Viagra ist die reinste Aspirin dagegen.
Selbstverständlich musste ich zwei Packungen
mitnehmen, nur für die sehr langen Abende.
Jeder wird es bestimmt schon einmal mitgemacht
haben, so nach dem fünfzehnten Mal am Abend
wird es meistens etwas Mau in der Hose.
Aber mit "Meister Poper" ...
Hatte ich schon von dem Sonnenuntergang erzählt?
Nehmt das mit und träumt vom Glück.
Guten Nacht!