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Was hatte die Stadt Nürnberg, genauer gesagt die Verkehrsplaner, wohl dazu bewegt? Ausgerechnet auf meinem Heimweg hatten sie sich diese Bosheit einfallen lassen! Diese Stelle war auch bekannt als rote Welle von Nürnberg. Ich spreche von der Auffahrt zum Frankenschnellweg. Jeden Mittwoch Abend treffen wir uns. Meine Freunde und ich besuchen die Sneak Preview im CineCitta. Auf meinem Heimweg gibt es genau zwei Stellen an denen man immer steht. Immer! Eine Stelle am Opernhaus muß man so hinnehmen. Die Zweite jedoch, sie ist mit so viel Liebe zum Detail und sehr viel Gemeinheit erdacht, hat es in sich. Bis über den Plärre kann man mit ein bißchen Gefühl und Übung kommen, dann aber kommt es wie in einem schlechten Film. Schon vor einer Linkskurve wird man daran erinnert annähernd die inner Orts Geschwindigkeit einzuhalten. Und nun kommt die grenzenlose Ungerechtigkeit. Die folgende Ampel, wie sollte es auch anders sein, ist rot. Wenn eben diese grün wird bleiben drei Sekunden bis die nächste, 200 Meter entfernte, Ampel gelb wird. Wo liegt sein Problem werde ihr euch fragen, mein Problem ist das es sich bei der Letzten um eine Blitzampel handelt. Außerdem muß ich nach der Ampel rechts abbiegen, noch dazu gibt es mein nächstes Auto leider noch nicht zu kaufen! Mein Carrera Roadster wird, wenn überhaupt, erst 2002 gebaut. Bis dahin muß ich mich mit meinem kleinen MRII zufrieden geben. Für die 950 Kg sind seine 140 PS nicht schlecht, reichen aber bei weitem nicht für derartige Spaßbremsen aus. Nun, nach dem ich euch mein Leid geklagt habe, erzähle ich euch eine kleine Geschichte.

Es war einmal ein kleiner, unscheinbarer, Spaß verliebter, möchte mal gern Rennfahrer. Eines Tages, es muß der 262 Tag im Jahre 2001 gewesen sein, geschah es. Er bezwang das Böse. Immer hatte ihn diese Verkehrsführung geärgert, immer war er an dieser Ampel gestanden. Ohne Grund. An diesem Morgen aber sollte sich sein Leben ändern, sein Traum in Erfüllung gehen. Nach einem Kinobesuch, der neue Morgen hatte gerade seine zweite Stunde vollendet, machte er sich auf den Heimweg. Es war kein schöner Morgen, Poseidon hatte gerade begonnen sein Reich zu vergrößern und das Land unter einer Sintflut zu begraben. Die Straßen schienen leer und nur ein paar, in den Pfützen sich spiegelnde, Ampeln ließen an den sonst herrschenden Trubel erinnern. Gemächlich machte er sich auf den Heimweg. Berechnend näherte er sich den Ampeln, als würden sie auf sein Kommando hören schalteten sie immer rechtzeitig auf die Farbe der Hoffnung. Bereits den Plärre passiert , fuhr er, mit ein bißchen zu wenig Bodenhaftung auf der Hinterachse, seinen gewohnten Weg zum Frankenschnellweg. Die erste Ampel gut abgepaßt, er nahm sie auf "gerade nicht rot", folgte nach der Rechtskurve die Nächste. Diese, sie war noch rot, sollte den alten Hasen aber nicht aufhalten. Die Geschwindigkeit leicht verlangsamt, näherte er sich der Gefahrenstelle. Wie auf Zuruf kam das lang ersehnte gelbe Licht. Vollgas! Eigentlich ist es egal wann man über eine rote Ampel fährt, rot ist rot. Aber besser ist, es sieht niemand.



Eine Ampel, in der kommenden Linkskurve, sollte ihm freundlich gesinnt sein. Aber jetzt! Gerade noch das letzte bißchen Haftung bei dieser regennassen Fahrbahn ausgenutzt, stand vor ihm das gemeinste Ampelpaar der Welt. Das nächste bestimmende Licht zeigte rot! Dieses sollte sich auch nicht ändern, zumindest nicht in den nächsten fünf Sekunden. Danach blieben noch drei Sekunden bis die Nächste, es handelte sich in diesem Fall um eine Blitzampel, auf gelb schaltete. Nun hieß es alles oder nichts. Die Geschwindigkeit auf Stadtniveau gesenkt fuhr er auf die vorletzte, ihm den Weg versperrende, Ampel zu. Viele Sachen gingen ihm durch den Kopf. Sollte er es wagen? Sollte er versuchen diese, von Menschenhand ausgeklügelte, Maschinerie zu überwinden? Er nahm all seinen Mut zusammen und fuhr in die Kreuzung ein. Was war das? Ein Licht erschien von der linken Seite. Erschreckt begann er zu bremsen. Nun war es vorbei, die Geschwindigkeit war zu gering um noch die Blitzampel zu passieren. Nur ein Fahrrad hatte diesen Schein erzeugt. Es ratterte in seinem Kopf. Losfahren oder stehen bleiben? Nicht viel Zeit blieb ihm bis von hinten die ersten Autos kommen würden. Los! Es war ein lauter Schrei den er tief in sich hörte. Das Gaspedal bis zum Anschlag durchgetreten bewegte sich das Auto schlangenartig über die Kreuzung. Sofort hatte er das Ganze stabilisiert und schoß auf die letzt Kreuzung zu. An dieser hatte er rechts abbiegen müssen. Mit der Annahme es nicht mehr zu schaffen kontrollierte er seine Geschwindigkeit als die Ampel auf gelb umsprang. Nur noch zwanzig Meter trennten ihm von dieser Kreuzung aber was war das? Der Tacho zeigt 120 Km/h an. "Zu schnell" durchfuhr ihn wie ein Blitz. Mit einer Vollbremsung rutschte er in die Kreuzung ein. Die zweispurige rechts abgehende Straße hatte er so eben erreicht ohne merklich an Geschwindigkeit zu verlieren. Was nun, der Ampelpfosten wollte ihm in sieben Metern hallo sagen. Wieder dachte er sich, alles oder nichts. Immer noch voll auf dem Bremspedal stehend drehte er das Ruder komplett nach rechts. Nichts geschah! Die erste Spur schon überwunden ließ er das Bremspedal los und drückte das Gaspedal durch. Mit einem Ruck drehte sich das Geschoß nach rechts und rutschte jetzt quer zur Fahrbahn weiter auf die Ampel zu. Nun riß er das Steuer kontrolliert nach links und stabilisierte damit diesen Drift. Am linken Ende der linken Spur hatte der Wagen die Seitwärtsbewegung beendet und es folgte ein überwältigender Schub nach vorne. Mit durchgedrücktem Gaspedal und sich schlängelndem Heck bewegte sich der Wagen nun in die richtigen Richtung. Es war wie alle Glücksgefühle der Welt auf einen Schlag, was ihn in diesem Moment ereilte. Das Adrenalin schoß gerade zu durch seinen Körper. Immer noch beim Beschleunigen wurde ihm erst so richtig bewußt was er soeben erreicht hatte. All die gemeinen Gedanken der Verkehrsplaner hatte er besiegt. Sieger, böse Ampel Bezwinger, würde er sich auf Ewig schimpfen. Sprachlos, überwältigt vom Glück fuhr er Heim.

Was soll uns nun diese Geschichte sagen?

Ihr seht, wenn man etwas von ganzem Herzen will und auch den Mut zum Leben hat kann man alles erreichen.

Viel Spaß beim Leben!