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Trostlos KW 26
Eigentlich wollte ich mich am Wochenende ausruhen. Ganz so Ruhig und Erholsam war es aber dann doch nicht. Samstag und Sonntag verbrachte Katja und ich am Birkensee. Dutchi leistete uns am Sonntag noch Gesellschaft. Leider nicht nur Gesellschaft. Er bescherte Katja ein blaues Auge und einen zwei Stunden langen Krankenhausaufenthalt. Die Behandlung hat dann doch nur 5 Minuten gedauert aber die Leute sind, vor allem bei Sonnenschein, nicht so schnell. So blieb uns nicht viel von der Sonne und ich konnte danach direkt Heim
zum packen. Die Bahnfahrt war mal wieder ein tolles Erlebnis. Erst war der Bahnhof nicht zu erreichen weil die Bahn es für wichtiger hielt das Gebäude zu präsentieren als den Dienst am Kunden zu leisten. Nach dem das Parkplatz Problem gelöst und der Weg zum Expreßschalter frei gekämpft war hieß es auch schon ab zum Gleis 7. Doe und ich hofften nur daß diese Fahrt besser verlaufen würde als die Heimfahrt am Freitag. Da hatten wir 2 Triebwerks Ausfälle und eine Stunde Verspätung. Ganz zu schweigen von der defekten
Klimaanlage. Aber wer ein echter Bahni ist, ist so etwas schon lange gewohnt.
Da wir am Montag erst um 2 Uhr im Hotel ankamen war die Nacht etwas kurz. Dafür war aber der Arbeitstag um so länger. Die Schlüssel für die zwei neuen Wohnungen haben wir heute abgeholt. Morgen ziehen wir dann endlich um. Davon werde ich aber nicht viel mitbekommen den ab Mittwoch 6 Uhr geht es wieder nach Frankreich. Diesmal bin ich eine Woche unten und werde selbstverständlich berichten.
Frankreich
Chasse sur Rhône war das Ziel, drei Uhr vierzig die Zeit. Der Wecker hatte kein Erbarmen! Gepackt hatte ich schon. Am Vorabend, also ca. vier Stunden zuvor. Herr Kröll holte uns am Hotel ab. Andreas hatte mehr Koffer als Hände und wir schafften es das große Auto bis oben zu füllen. Die Fahrt nach Düsseldorf war kurz und angenehm. Wenn auch die Beschilderung am Flughafen zu wünschen übrig läßt. Da mein Kauapparat inklusive dahinterliegender Organe noch immer nicht so richtig funktionierte holte ich mir einen Pfefferminz Tee. Nach einem kleinen Nickerchen im Flugzeug gab es erst einmal ein Gummifrühstück. Alles was irgendwie nach Käse aussah konnte ich zum Glück Andreas andrehen. Ein Taxi brachte uns zur Arbeit und wir machten uns so gleich auf
um das Werk zu besichtigen. Der Tag verlief recht erfolgreich und wir wurden immer müder. Andreas wußte nicht mehr ob er nun französisch, englisch oder deutsch sprechen sollte. So gegen halb fünf gingen Andreas und ich zurück zum Hotel.
Eigentlich wollte ich mich eine Stunde hinlegen. Wir hatten nämlich am Abend noch viel zu besprechen bzw. nieder zu schreiben. Leider wurde aus dem Schlaf nichts denn ich kam mal wieder nicht vom Telefon weg. Um kurz vor 20 Uhr unterbrachen wir die Arbeit und fuhren mit Herrn Kröll nach Vienne. Die Fahrt dort hin führte uns entlang der Rhône.
Bis wir uns in Vienne mit Herrn Vigliocco an einer Statue trafen.
Bei einem Abendessen in einer netten Runde sprachen wir über alles was man im Alltag so erlebt. Natürlich fand die Unterhaltung in Französisch statt. Größtenteils. Aber ich verstehe schon so manches! Herr Vigliocco beeindruckte uns mal wieder mit seiner Weinkenntnis. Er bestellte einen wirklich guten Tropfen der etwas herb aber dennoch fruchtig schmeckte.
Wie wir erfuhren findet in Vienne ein Jazzfestival statt. Es beginnt am Samstag und geht bis zum 13 Juli. Berühmte Leute werden dort auftreten. Natürlich bekamen wir nach dem Essen eine Führung durch das Romantische Vienne. Eine alte Römerstadt die heute noch genau so viele Einwohner zählt wie damals zur Zeit der Sonnenuhren und der Toga Partys. Jedoch bin ich überzeugt daß es sich nicht um die gleichen Einwohner handelt. Wir sahen das Amphitheater, in dem man fast noch die leicht bekleideten Leute beim Steine klopfen hört, und
wunderschöne alte Bauten die immer noch imposant die damalige Macht repräsentieren.
Wir wurden nicht sehr alt an diesem Abend.
Der Donnerstag schien ganz entspannt zu verlaufen bis sich so langsam die Schwierigkeiten den Weg in unseren Tag suchten. Da ich das schöne Wetter dazu genutzt hatte zu fuß zum Werk zu gelangen, konnte mich aber nichts aus der Ruhe bringen. Am Vormittag zogen leider ein paar Wolken auf. Zum Glück gab es nur wenige Tropfen. Dennoch nahm ich das Angebot von Herrn Vigliocco gerne an uns ins Hotel zu bringen. Ganze 8 Kilometer hatte sein Auto auf dem Kilometerzähler. Er hatte es gerade erst aus dem Werk geholt. Herr Kermit
Kröll war bereits abgereist. Warum er nun den Spitznamen Kermit trägt? Er kommt vom Abendessen am Tag zuvor. Herr Kröll bestellte sich Froschschenkel. Nicht daß sie nicht geschmeckt hätten aber alleine der Gedanke an das lustige grüne Ding aus der Muppetshow drückte ihm fast die Tränen in die Augen. Herr Vigliocco hatte da weniger Bedenken und brachte den Schenkeln ein schnelles Ende. Keine Angst Udo, du bist nicht gemeint (Udo Schenkl). Hätte niemand gesagt daß das Froschschenkel sind, hätte es außer Herrn Vigliocco
niemand gemerkt. Mittlerweile müßte Herr Kröll schon wieder Zuhause sein. Andreas und ich allerdings plünderten in der Zwischenzeit den riesigen Einkaufsmarkt. Wir brauchen dringend ein anderes Hotel. Der Markt ist nur zwei Minuten von Hotel weg und man kann dort mit Visa zahlen. Für alle die das nicht verstehen sein erwähnt das die Wein Abteilung wirklich gut sortiert ist. Diese Weine findet man selbst in guten deutschen Weinhandlungen selten. Natürlich habe ich nicht nur Weine mitgebracht. Dort gibt es auch diesen total
künstlichen Orangen Saft. Genau den, den wir auch in Spanien beim Wandern immer getrunken haben. Und diese Bild ist nur für Doe.
Jetzt werde ich noch ein bißchen arbeiten und Emails beantworten. Bis morgen.
An einem Freitag wird die Welt untergehen. Ganz sicher. Eigentlich wollten wir uns Lyon anschauen. Auch weil wir für Andreas eine Wohnung suchen. Daraus wurde aber nichts den wir hatten mit ein paar Computern Schwierigkeiten und kamen erst nach 20 Uhr aus der Firma raus. Das sollte uns den Freitag Abend aber nicht vermiesen und so fuhren wir nach Vienne. Vienne liegt nur knapp 10 Km von Chasse entfernt. Wir schlenderten durch die schöne Altstadt und fanden mein Kloster. Die netten Bürger von Vienne hatten es mir gewidmet
ohne mir davon zu erzählen.
Das viele Laufen machte richtig Hungrig und wir ließen uns in einem dieser vielen Restaurants nieder.
Jazz(st the best)
Die Nacht wahr erholsam und das Frühstück ungewöhnlich. Wir frühstückten mit ca. 2000 Jahren Jazz Geschichte. Neben mir saß Joe, ein typischer Amerikaner, alle wollten von Ihm ein Autogramm haben. Viele andere Berühmtheiten waren anscheinend vertreten denn da liefen zig Leute herum die Autogramme haben wollten. Mich erkannte zum Glück niemand. Mit einem Schwarzen Mann hatte ich mich angefreundet. Er winkte uns noch freundlich zu als wir abfuhren. Den Shuttle Service durften wir leider nicht nutzen. Wir fuhren nach Vienne um die lokalen Maklerbüros abzuklappern. Am Nachmittag schauten wir uns dann noch einmal Vienne von allen Seiten an.
Überall waren bereits Bühnen aufgebaut und es schien als wollte die ganze Stadt Feiern.
Wir fanden auch Andreas seine zukünftige Stammkneipe.
"Bei Andreas" besuchten wir allerdings erst später, als Abschluß eines schönen Abend. Vorher jedoch erforschten wir auch die kleinsten Gassen und Hinterhöfe. Habe schon überlegt in Vienne als Fremdenführer anzufangen.
Diese Kirche ganz oben am Berg wollten wir uns genauer anschauen und so erklommen wir den Berg. Von dort oben hatte man einen wunderschönen Ausblick auf die Stadt.
Auch das Amphitheater konnte man schön überblicken. Dort liefen bereits Proben für den Abend.
Die Kirche allerdings sieht von unten besser aus.
Der Rückweg führte uns wieder durch die engen Gassen der Stadt.
In einer Kirche fand gerade ein Hochzeit statt.
In Frankreich gibt es für alles seinen "espace". Die kleinen Wackeldackel machen nicht etwa auf die Strasse. Wenn Frauchen so macht daß es niemand sieht will Hundchen das auch.
Was die braunen Haufen sind kann sich wohl jeder denken. Die gelbe Ecke auf der rechten Seite allerdings ist wohl eher vom Herrchen. So etwas schreckte uns aber nicht ab und da sich der Hunger meldete suchten wir nach Eßbaren. Wir wurden in einer kleinen Kneipe fündig.
Dort gab es sogar einen Salat mit Putenstücken. Nach dem Essen gab es den obligatorischen riesen Kaffee.
Dann fingen auch schon die Musiker an. In jeder zweiten Seitenstraße war lautstark die Musik zu hören. Nicht nur Jazz wurde gespielt, auch Rock, Blues und vieles mehr drang durch die Stadt.
Zigaretten gibt es in Frankreich zum Glück nicht überall. Andreas mußte mal wieder seiner Sucht nachgehen und suchte verzweifelt solche Glimmstengel. In einer Kubanischen Bar wurde er fündig. Die hübsche Bedienung wollte ihm die Zigaretten aber nur verkaufen wenn er etwas zum trinken bestellt. Als ich in den Laden kam stand seine Luky Schachtel und ein Cuba Libre auf dem Tresen. Da alleine trinken dumm macht bestellte ich mir auch einen.
Den Sonnenuntergang schauten wir uns von ganz oben an. Leider war das Amphitheater weiträumig abgesperrt so daß wir nicht so viel sehen konnten. Beim Abstieg war es aber richtig schön.
Vienne ist eine sehr grüne Stadt. Sogar aus den Telefonzellen wuchert es schon heraus.
In der Stadt tobte das Leben. Wenn auch der Altersdurchschnitt durch uns etwas gesenkt wurde. Die Leute tanzten und sangen in den Straßen. Bei uns wäre so etwas nicht möglich gewesen. Zumindest nicht in Bayern, Entschuldigung, Franken. Es war bereits kurz vor Zwölf und niemand beschwerte sich.
Wir zogen weiter und weiter. Überall standen sie und gaben ihr Bestes. Später kehrten wir kurz in einem ziemlich Schrägen Laden ein. Überall waren geborstene Skateboards an der Wand. Auf der Toilette traute ich mich nicht mir die Hände zu waschen. So eine Infektion bekommt man nur schwer wieder weg.
Auf einem großen Platz tranken wir dann noch einen O-Saft zum Abschluß. Dort war eine kleine Band mit einer Frontsängerin. Da würde mir sogar ein Wortspiel einfallen. Back-Sängerin. Nein, die Dame hatte nicht nur ein gutes Aussehen. Sie sprühte gerade vor Selbstvertrauen. Wenn jemand so singt wie sie und sich auf eine Bühne traut. Respekt. Nein, Doppel Respekt! Aber ich war ja auch schon auf so manchen Bühnen gestanden.
Wohnklo auf Französisch
Wie sagt schon der Pfarrer? Prüfe wer sich für immer bindet. Zum Glück ist es nicht für immer aber auch so schlimm genug. Ich habe weder schwäbische noch schottische Gene aber man muß das Geld nicht zum Fenster rauswerfen. Erst recht nicht wenn es offen steht. Einhundert Euro für ein bißchen Schlafen erschienen mir recht viel und so suchten wir eine günstigere Unterkunft. Die hatten wir auch gefunden, nur vorher nicht angeschaut. Wir frühstückten recht lange und zogen
dann in das andere Hotel um. Es war eher eine Jugendherberge mit Einzelzimmern. Ich könnte mich ohrfeigen. Aber wie sagt man so schön (Stefan B.)? Es ist für die Sache. Und sollte ich hier an Fußpilz sterben. Fragt nicht was euer Land für euch tun kann! Nein, fragt was ihr für euer Land tun könnt. Achtet nicht auf mich laßt mich liegen, kämpft weiter!
Um der drohenden Platzangst aus dem Wege zu gehen flüchteten wir nach Lyon. Ein sehr schönes Städtchen. Es soll die drittgrößte Stadt in Frankreich sein. Wenn ich mir die Preise so anschaue dann glaube ich das auch sofort. Die Bayowaren haben bereits mit der Infiltration der Region angefangen. Aus gut informierten Kreisen heißt es, daß ein neuer Weiswurstäquator aufgebaut wird. Momentan noch langsam und schleichend, dennoch ist die Erschütterung der Macht deutlich zu spüren.
Aber wir kennen die Franzosen nur zu gut. Für evtl. Revolutionen haben sie sogar schon entsprechende Plätze beschildert und in den Stadtplänen ausgeschrieben.
Die Innenstadt von Lyon ist sehr schön. Überall findet man alte Gebäude und schön angelegte Plätze.
Wir entschlossen uns die Altstadt zu besichtigen. Auch hier waren wieder diese schönen kleinen Gassen.
Man merk hier jedoch ganz deutlich die Ausrichtung auf den Tourismus. Andreas und ich beschlossen ganz nach oben zu pilgern. Dort auf dem Berg gab es ein Schloß und diverse Überbleibsel aus der Römerzeit. Wenn ich mich nicht irre hat Lyon den Weltrekord in gleich zwei Kategorien gewonnen. Die kleinsten und die meisten zusammenhängenden Stufen gibt es hier. In der Mittagssonne kommt man da auch ganz schön ins
Schwitzen.
Allerdings wird man von einer sehr weitreichenden Aussicht belohnt.
Was mich persönlich sehr beeindruckt hat war die Weitsicht der Römer. Wie konnten sie wissen das unsere Kleinbildkameras nur diesen kleinen, sehr beschränkten, Winkel festhalten können. Alle Prachtbauten wurden so groß gemacht daß man sie auf keinen Fall ganz fotografieren konnte.
Natürlich waren es nicht die Römer die diese Kirche erbaut hatten. Aber die Theater sollen aus dieser Zeit stammen.
Total erschöpft suchten wir, wieder unten angekommen, in einem Irish Pub Unterschlupf. Schnell traten wir die Heimreise an um unsere Wunden zu lecken.
Lyon kann ich nur empfehlen. Nehmt aber gutes Schuhwerk mit wenn ihr viel sehen möchtet.
Da hätte ich fast etwas vergessen. Wenn ich in Troisdorf nicht ankommen sollte, könnte es evtl. an diesem Foto liegen.
Das ist meine Eroberung hier. Sorgfältig ausgewählte Weine aus der Region. Jetzt muß ich mir aber endlich einen Weinkeller einrichten. Also merkt euch, gut stellen, nett grüßen = Wein testen!
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