4. April
Es kam wie es kommen mußte! Der Zug hatte Verspätung und die Einkaufsmärkte hatten geschlossen. Kein Grund zur Aufregung, das fünf Sterne Hotel hatte noch Zimmer frei. Es war auch keine Überraschung, der König war gerade nicht in Santiago und somit war die Königssuite zu haben. Sobald die Überwältigung nachliess und unser Überlebensdrang zurückkehrte entschloßen wir uns auf Nahrungssuche zu gehen. In einem kleinen etwas exlusiveren Lokal wurden wir auch fündig. Angefangen haben wir mit Brokolicreme und Fischsuppe. Filesteak folgte ohne Wartezeit. Als Abschluß wurden uns frische Erdbeeeren und Milcheis serviert. Ein Wein aus der Region begleitete unsere kulinarische Gaumenreise von Anfang an. Da die Teller leer und die Weinflasche zu viel Luft inne hatte machten wir uns als bald auf den Rückweg zu unserem Hotel. Es liegt direkt an dem Plaza del Obradoiro neben der Kathedrale. Was für eine Aussicht. Die Stadt scheint um das Hotel und die Kathedrale herumgebaut worden zu sein. Im Hotel selber kann man sich ohne Probleme verlaufen. Alles sieht aus wie aus einem historischen Film. Unser Zimmer ist größer als so manche Bergunterkunft und man hat Angst sich auf einen Stuhl zu setzen da man ihn evtl. beschädigen könnte. Obwohl es schon ein Uhr morgens ist, zieht es uns nicht ins Bett. Wir sitzen auf dem Flur, direkt vor unserem Zimmer sind super gemütliche Sofas, und haben angefangen zu schreiben. Lange halten wir das aber nicht durch da die Minibar schon fast leer ist und wir beim Essen nur eine Flasche Wein leerten. Der Schuppen hier ist echt unglaublich. Hier sind so viele Sehenswürdigkeiten, dagegen sieht das Luvre echt alt aus. Ganz zu schweigen von den vielen Innenhöfen und den vielen Altaren. Jetzt fallen mir aber die Augen zu. Bis später.
Der Morgen begann mit deutschsprachigem MTV. Das Bett duftete so gut, fast wie bei Mama, da wollte ich gar nicht aufstehen. Es war bereits nach 9 Uhr und die Putzteufel hatten schon mehrfach an unerer großen hölzernen Schloßtür geklopft. Schweren Herzens zog es mich ins Bad um den ganzen kostenlosen Stuff auszuprobieren. Nach einer Rasur und einer längeren Sitzung probierte ich die Dusche aus. Die Dusche war wie alles hier etwas besonderes. Den oberen Brausekopf stellte ich sehr warm ein und ließ ihn auf meinen Kopf sprühen. Der tiefer Sitzenden sprühte viel kühler auf meine Brust. Nach dem ich den halben Wasservorrat von Santiago verbraucht hatte begab ich mich wieder in unseren Wohnbereich. Gegen halb elf gingen wir zum frühstücken. Eigentlich endete die Frühstückszeit gerade aber wir ließen den ultra Touri raushängen und frühstückten erst einmal in Ruhe. Das war mal wieder richtig gut! Einem Vitaminschock knapp entkommen checkten wir erstmal aus. Mal wieder hatte der El Camino Patron seine schützende Hand über uns. Auf der Rechnung standen nur 200€. Die Minibar wurde nicht erwähnt. So ehrlich wie ich meistens bin machte ich den Typen darauf aufmerksam. Der Minibar Zettel war nicht auffindbar und die Fuzzis diskutierten noch ein wenig wer ihn wohl verlegt hatte. Plötzlich drehte er sich um und meinte, "It's ok". Mit dem Abendessen von Gestern schafften wir die avisierten 500DM pro Abend aber locker und so konnten wir es ihm noch einmal durch gehen lassen. Dann ging es erstmal zur Urkunden Bude. Wer echter Pilger sein will braucht eine beglaubigte Urkunde. Wir haben sie! Allerdings gibt es davon zwei Versionen. Die den Pfad aus glaubens Gründen bestreiten bekommen ein andere wie die Naturfreunde. Die Uhr zeigte 11:50 und die Urkundendame sagte uns daß wir in der 12 Uhr Messe erwähnt werden. Nun hieß es ab in die Kathedrale. Was für ein Prunkbau. Dagegen sieht Notrèdame klein und lächerlich aus. Mit dem Gottesdienst konnten wir beide nicht so viel anfangen. Zwei Dinge gibt es in unzählbarem Ausmaß. Erstens die vielen Plasmabildschirme überall und zweitens die daraus resultierenden vielen Sammelbüchsen. Es folgte ein anstrengender Trip durch die engen Gassen der Stadt. Anstrengend weil die Füsse und der Kopf nicht mehr durchblutet wurden. Hier sind so viele wahnsinns Frauen unterwegs daß man nicht weis wo Mann zu erst hinschauen soll. Die Mütter schaffen es, Töchter zu produzieren die bei gleicher Körpergrösse doppelt so lange Beine haben wie die Mädels in Deutschland. Nun sitzen wir im Park und schreiben unsere Birne leer, so lange sich da noch ein bisschen Blut befindet. Chris und ich haben uns dafür entschieden hier zu studieren! Erst müßen wir aber unseren Sonnenbrand auskurieren.
Wir sind umzingelt! Nun ist unser Ende gekommen. Wir sitzen im Zug nach Madrid und sind von Frauen umzingelt. Mal abgesehen von dem alten hässlichen Trollo und einem Liebespärchen sind wir die einzigen "Männer" in diesem Wagen (23). Selbstverständlich reisen wir erster Klasse! Der Platz in der zweiten reichte uns nicht aus. In Wirklichkeit war die zweite Klasse ausgebucht und es ist die letzte Möglichkeit unseren Flieger zu erreichen. Schreiben ist das einzige was wir hier machen können. Spanisch beherschen wir leider nicht und eine Spanierin zu finden die Englisch versteht ist wie ein 6er im Lotto. Ich komme mir vor wie ein kleines Kind ohne Arme in einem Süßwaren Geschäft. Alles lächelt dich an und sagt nimm mich und ich kann doch nicht! Habt ihr schon mal probiert den Kopf in eine Bonbonglas zu bekommen? Chris macht sich schon lustig über mich, dabei geht es ihm doch genau so. Hier sind nur super Mädels am Start und wir ... Nun fängt das Pärchen vor uns auch noch an zu kuscheln und zu fummeln. Wo ist der Schaffner? Ich will einen anderen Platz! Gnade! Ich bin doch den Pfad gelaufen! Warum werde ich nun so bestraft? Als erstes werde ich mich in Deutschland für einen Spanischkurs anmelden. Ablenken, ich muß mich ablenken. Am Nachmittag waren wir noch ein bisschen im Park chillen. Die Sonne schien und wir schauten uns die chicas an. Da war es schon wieder. Dann gingen wir die Stadt erkunden. Da mein Fuß immer noch nicht so funktioniert, dauerte es etwas länger. Später aßen wir noch zu Mittag (16Uhr). Am Bahnhof erfuhren wir daß die zweite Klasse ausverkauft war und unser Rückflug etwas ins trudeln gelangte. Die erste Klasse kostet aber nur 10€ mehr und wie wir jetzt wissen, bekommt man dafür viel mehr Platz und eine fast erotische Show. ;) Gerade ist wieder so ein Stelzenteil durchs Abteil. Es ist wirklich unglaublich! Mann kan sich hier nicht konzentrieren. Schon wieder! Ahhhhhhhh!!!!! Überall, sie sind überall! Komentar vom Chris: "Respekt!". Hat hier jemand Scheuklappen für mich? Mich versteht ja eh niemand. Bevor wieder etwas passiert, Santiago ist eine super Stadt. Santiago = unbedingt anschauen! Wartet bis die Fotos im Netz sind, wobei die Fotos leider nicht die Atmosphere wieder geben können. Eben hat Chris seinen Bericht veröffentlicht, danach durfte ich ihn lesen. Macht mich schon stolz, "echter Freund" und so. Bei dem Thema Freundschaft im Beruf fällt mir nur ein, "Wisse immer alles was du sagst, sage aber nie alles was du weist"! Viele leben leider nur den letzten Teil des Satzes, "Sage nie was du weist"! Kommunikation ist alles und ohne eben nichts ... Aber wir sind alle anpassungsfähig. Chris hat gerade eine Steckdose auf dem Klo entdeckt. Erste Klasse ist super! Dafür hat er sich ein Nikerchen verdient. Ach, er schläfft ja schon. Weil es schon nach zwölf ist und damit es meinen Palm nicht zerreist beende ich diesen Bericht. Wenn sich nicht eine Spanierin wild auf mich wirft werde ich gleich am Bericht vom 5ten weiter schreiben.
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